Kolbermoor (el) - Die Bürger von Kolbermoor haben ein deutliches
Wort gesprochen: Mit 3730 Stimmen sprachen sie sich klar für die
Pläne des Investors Quest für den Spinnereiwald aus. Das bedeutet,
dass das rund sechs Hektar große Areal wie geplant an den Stellen
bebaut werden kann, an denen bereits jetzt Bauwerke stehen oder
Flächen befestigt sind.
Gescheitert ist damit das Anliegen der Interessengemeinschaft
Spinnereiwald (IG), die den Bürgerentscheid herbei führte,
umjegliche Bebauung im Bereich des Waldes zu verhindern. Dafür
sprachen sich lediglich 1925 Bürger aus, womit nicht einmal das
erforderliche Quorum von 2625 Ja-Stimmen erreicht worden wäre.
Hochspannung herrschte am Sonntagabend im Kolbermoorer Rathaus, wo
die Ergebnisse aus den vier Stimmlokalen sowie aus der Briefwahl
erwartet wurden. Schließlich trat Bürgermeister Peter Kloo vor die
Menge und verkündete das vorläufige Endergebnis: Unter den 5655
abgegebenen gültigen Stimmen waren 3730 Nein-Stimmen - also Stimmen,
die sich gegen das IG-Anliegen ("Sind Sie dafür, dass der
Spinnereiwald/Park in seiner jetzigen Größe ohne Bebauung erhalten
bleibt und in der Bauleitplanung fortgeschrieben wird?") wandten.
Mit Ja stimmten lediglich 1925 Bürger, was bedeutet, dass das Ziel
der Interessengemeinschaft selbst bei einer geringeren Zahl an
Nein-Stimmen verpasst worden wäre (erforderlich gewesen wären 20
Prozent Zustimmung von 13 127 Stimmberechtigten, also 2625
Ja-Stimmen). Insgesamt gingen 5663 Bürger zum Entscheid, somit
betrug die Wahlbeteiligung 43,14 Prozent - ein für einen
Bürgerentscheid relativ hoher Wert. Unmittelbar nach Bekanntwerden
des Ergebnisses ging Klaus Werndl, Geschäftsführer der Firma Quest,
auf die Mitglieder der Interessengemeinschaft zu und lud sie erneut
zu Gesprächen ein. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigte sich
Werndl sehr erfreut über die hohe Wahlbeteiligung. "Somit haben wir
ein echtes, eindeutiges Votum der Stadt." Sehr wichtig sei für Quest
aber auch die Meinung der Gegenseite: "Wir wollen im Gespräch
unbedingt auch deren Ideen kennenlernen. Auch wenn im Wahlkampf
vieles sehr konträr gelaufen ist: Uns liegt daran, die Gräben
zuzuschütten. Es liegt uns fern, in lautes Hurra auszubrechen. Alle
die an den Plänen mitwirken wollen, sollen mitwirken."
Quest wolle auch schnellstmöglich beweisen, dass man das, was man
bisher vorgestellt habe, auch genauso umsetzen will. Daher liege
ihm, so Werndl, viel daran, auch den mit Konditionen verbundenen
Bebauungsplan baldmöglichst in Angriff zu nehmen, um die
Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Als Sprecher der IG Spinnereiwald
erklärte Michael Werner das Bedauern über die deutliche Ablehnung,
man akzeptiere jedoch das Ergebnis. "Trotzdem hat sich durch unsere
Initiative viel bewegt. Es sind lebhafte Diskussionen in Gang
gekommen, die sonst nicht stattgefunden hätten. Durch unser
Engagement hat ein Umdenken stattgefunden und die Bebauung im
Spinnereiwald soll erheblich reduziert werden."
Dass trotzdem gebaut werden könne, entspreche zwar nicht den Zielen,
mit denen man angetreten sei, es sei aber ein erheblicher
Fortschritt zu den ersten vorgestellten Planungen. Werner betonte:
"Wir gehen davon aus, dass die gemachten Zusagen auch eingehalten
werden, was die Kolbermoorer Bürger mit Sicherheit aufmerksam
verfolgen werden." Aufmerksam verfolgt worden sind laut Aussagen von
Wahlhelfern (bis auf eine Ausnahme ausschließlich Bedienstete der
Stadt oder Stadträte) auch die Vorgänge in den Stimmlokalen:
"Mitglieder der IG erklärten ihr persönliches Interesse und
beobachteten alles, was im Lokal passierte."
Erleichtert und erfreut zeigte sich am Abend auch Bürgermeister
Peter Kloo, der mit einem so deutlichen Ausgang eigenen Worten
zufolge gar nicht gerechnet hatte, zumal die Information im Vorfeld
sehr schwierig gewesen sei. Man sei froh, den eingeschlagenen Weg
mit der Firma Quest und der Familie Werndl mit einem deutlichen
Votum im Rücken nun weitergehen zu können.
Werndl will wie berichtet die historischen Bauten auf dem ehemaligen
Spinnereigelände sanieren, Gewerbe-, Büro- und öffentliche Nutzung
auf das Gelände holen sowie auf der Insel zwischen Mangfall und
Kanal und im Randbereich des Waldes Wohnhäuser bauen. Der bisher
private Spinnereiwald soll für die Bevölkerung zugänglich und
erlebbar gemacht werden.
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