Oberbayerisches Volksblatt

 

 
OVB 04.10.2005 Klares Ja zu Spinnerei-Projekt

 

Kolbermoor (el) - Die Bürger von Kolbermoor haben ein deutliches Wort gesprochen: Mit 3730 Stimmen sprachen sie sich klar für die Pläne des Investors Quest für den Spinnereiwald aus. Das bedeutet, dass das rund sechs Hektar große Areal wie geplant an den Stellen bebaut werden kann, an denen bereits jetzt Bauwerke stehen oder Flächen befestigt sind.
 

Gescheitert ist damit das Anliegen der Interessengemeinschaft Spinnereiwald (IG), die den Bürgerentscheid herbei führte, umjegliche Bebauung im Bereich des Waldes zu verhindern. Dafür sprachen sich lediglich 1925 Bürger aus, womit nicht einmal das erforderliche Quorum von 2625 Ja-Stimmen erreicht worden wäre. Hochspannung herrschte am Sonntagabend im Kolbermoorer Rathaus, wo die Ergebnisse aus den vier Stimmlokalen sowie aus der Briefwahl erwartet wurden. Schließlich trat Bürgermeister Peter Kloo vor die Menge und verkündete das vorläufige Endergebnis: Unter den 5655 abgegebenen gültigen Stimmen waren 3730 Nein-Stimmen - also Stimmen, die sich gegen das IG-Anliegen ("Sind Sie dafür, dass der Spinnereiwald/Park in seiner jetzigen Größe ohne Bebauung erhalten bleibt und in der Bauleitplanung fortgeschrieben wird?") wandten.

Mit Ja stimmten lediglich 1925 Bürger, was bedeutet, dass das Ziel der Interessengemeinschaft selbst bei einer geringeren Zahl an Nein-Stimmen verpasst worden wäre (erforderlich gewesen wären 20 Prozent Zustimmung von 13 127 Stimmberechtigten, also 2625 Ja-Stimmen). Insgesamt gingen 5663 Bürger zum Entscheid, somit betrug die Wahlbeteiligung 43,14 Prozent - ein für einen Bürgerentscheid relativ hoher Wert. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses ging Klaus Werndl, Geschäftsführer der Firma Quest, auf die Mitglieder der Interessengemeinschaft zu und lud sie erneut zu Gesprächen ein. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigte sich Werndl sehr erfreut über die hohe Wahlbeteiligung. "Somit haben wir ein echtes, eindeutiges Votum der Stadt." Sehr wichtig sei für Quest aber auch die Meinung der Gegenseite: "Wir wollen im Gespräch unbedingt auch deren Ideen kennenlernen. Auch wenn im Wahlkampf vieles sehr konträr gelaufen ist: Uns liegt daran, die Gräben zuzuschütten. Es liegt uns fern, in lautes Hurra auszubrechen. Alle die an den Plänen mitwirken wollen, sollen mitwirken."

Quest wolle auch schnellstmöglich beweisen, dass man das, was man bisher vorgestellt habe, auch genauso umsetzen will. Daher liege ihm, so Werndl, viel daran, auch den mit Konditionen verbundenen Bebauungsplan baldmöglichst in Angriff zu nehmen, um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen. Als Sprecher der IG Spinnereiwald erklärte Michael Werner das Bedauern über die deutliche Ablehnung, man akzeptiere jedoch das Ergebnis. "Trotzdem hat sich durch unsere Initiative viel bewegt. Es sind lebhafte Diskussionen in Gang gekommen, die sonst nicht stattgefunden hätten. Durch unser Engagement hat ein Umdenken stattgefunden und die Bebauung im Spinnereiwald soll erheblich reduziert werden."

Dass trotzdem gebaut werden könne, entspreche zwar nicht den Zielen, mit denen man angetreten sei, es sei aber ein erheblicher Fortschritt zu den ersten vorgestellten Planungen. Werner betonte: "Wir gehen davon aus, dass die gemachten Zusagen auch eingehalten werden, was die Kolbermoorer Bürger mit Sicherheit aufmerksam verfolgen werden." Aufmerksam verfolgt worden sind laut Aussagen von Wahlhelfern (bis auf eine Ausnahme ausschließlich Bedienstete der Stadt oder Stadträte) auch die Vorgänge in den Stimmlokalen: "Mitglieder der IG erklärten ihr persönliches Interesse und beobachteten alles, was im Lokal passierte."

Erleichtert und erfreut zeigte sich am Abend auch Bürgermeister Peter Kloo, der mit einem so deutlichen Ausgang eigenen Worten zufolge gar nicht gerechnet hatte, zumal die Information im Vorfeld sehr schwierig gewesen sei. Man sei froh, den eingeschlagenen Weg mit der Firma Quest und der Familie Werndl mit einem deutlichen Votum im Rücken nun weitergehen zu können.

Werndl will wie berichtet die historischen Bauten auf dem ehemaligen Spinnereigelände sanieren, Gewerbe-, Büro- und öffentliche Nutzung auf das Gelände holen sowie auf der Insel zwischen Mangfall und Kanal und im Randbereich des Waldes Wohnhäuser bauen. Der bisher private Spinnereiwald soll für die Bevölkerung zugänglich und erlebbar gemacht werden.

02.10.2005 21:35 Uhr

 

 

 

 

 

 
 Corriere 15.10.2004: Delegazione di Kolbermoor in paese

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